AMALIE DIETRICH

geb. Nelle, 1821-1891

Naturforscherin, Botanikerin, Zoologin und Forschungsreisende

Siebenlehn


Quelle: Bischoff, Charitas (1909): Amalie Dietrich – ein Leben. Grotesche Verlagsbuchhandlung Berlin
Quelle: Bischoff, Charitas (1909): Amalie Dietrich – ein Leben. Grotesche Verlagsbuchhandlung Berlin

Sie wurde als fünftes Kind des Beutler- und Handschuhmachermeisters Karl Gottlob Nelle und seiner Frau Johanna Regina Bormann in Siebenlehn, Sachsen, geboren. Durch ihre Mutter, die als Kräuterfrau die Einwohner/innen mit naturheilkundlichen Mitteln behandelte, erwarb das Mädchen umfangreiche Kenntnisse über die heimischen Pflanzen. Ihren Vater begleitete sie auf Jahrmärkte und Verkaufsmessen in Sachsen. Nach nur vier Jahren Schulunterricht nutzte Amalie später jede Gelegenheit zum Lesen und zum Lernen.

 

1846 heiratete sie den Apotheker und Botaniker Wilhelm August Salomo Dietrich.
Er vermittelte ihr Kenntnisse im Sammeln, Präparieren und Herbarisieren von Pflanzen sowie die wissenschaftliche Methodik des Linné’schen Systems der Klassifikation der Pflanzen.


1848 wurde die Tochter Charitas geboren, die später als Charitas Bischoff die Biografie ihrer Mutter schrieb. Die Familie verdiente ihren Unterhalt durch den Handel mit Naturalien. Universitäten und wissenschaftliche Institute, Professoren, Studenten, Schulen, Apotheken, Botanische Gärten, vor allem aber Privatgelehrte und wohlhabende Sammler waren Kunden für Herbarien und Naturpräparate.


Sammelreisen führten Amalie Dietrich und ihren Mann durch Sachsen, nach Mittel- und Norddeutschland, in die österreichischen
Alpen und nach Krakau. Ihre Tochter wurde während dessen in Pflegefamilien gegeben. 1861 kehrte Amalie Dietrich nach
schwerer Krankheit von einer allein unternommenen Sammeltour aus Holland zurück. Ihr Mann hatte sie für tot gehalten
und eine Stelle als Hauslehrer beim Herzog von Schönburg in Herzogswalde angenommen. Nach der Trennung der Eheleute
musste Amalie Dietrich allein für sich und ihre Tochter eine Existenz aufbauen. Der gute Ruf ihrer Herbarien in den wissenschaftlichen Kreisen bot dafür eine Grundlage.

 

1862 lernte sie in Hamburg Johan Cesar VI. Godeffroy kennen, dessen Handelshaus „Godeffroy & Sohn“ in der Südsee agierte
und der ein Museum besaß. In seinem Auftrag bereiste Amalie Dietrich von 1863 bis 1872 als erste wissenschaftliche Sammlerin
das noch wenig erforschte Queensland, Australien. In Brisbane, Rockhampton, Port Mackay und Bowen trug sie die größte
Sammlung an zoologischem und botanischem Material zusammen, die je von einer Einzelperson in der Feldforschung geschaffen
wurde. Sie sammelte mehr als 20 000 botanische Exemplare. Eine größere Zahl von Tieren und Pflanzen, die wissenschaftlich
erstmals bestimmt werden konnten, wurden nach ihr benannt. Ihre zeitübliche kleine anthropologische Sammlung wird
heute kritisch bewertet.

 

Nach ihrer Rückkehr aus Australien arbeitete Amalie Dietrich zwölf Jahre als Kustodin im Museum Godeffroy. Als Johann
Cesar VI. Godeffroy 1885 starb, wurde das Museum verkauft. Amalie Dietrich fand eine schlecht bezahlte Arbeit im Botanischen
Museum der Stadt Hamburg und verdiente ihren Lebensunterhalt mit der Pflege von Schwerstkranken.


1891 starb Amalie Dietrich während eines Besuches bei ihrer Tochter in Rendsburg. Sie wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.

 

In Siebenlehn, Hamburg, Barmbeck, Dresden und Rendsburg wurden Straßen und ein Platz nach ihr benannt. In Siebenlehn existieren mehrere Gedenkorte. Eine Gedenktafel am ehemaligen Standort ihres Elternhauses (Otto-Altenkirch-Straße) zeugt von ihrem Lebensmotto: „Besser ein schweres Leben als ein leeres Leben.“

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