BARBARA UTHMANN

geb. vom Elterlein | 1514-1575

Unternehmerin & Bortenhändlerin | Annaberg-Buchholz


Barbara vom Elterlein wurde um 1514 als Tochter von Heinrich vom Elterlein und seiner Frau Ottilia, vermutlich in Annaberg, geboren. Sie war das vierte von neun Kindern einer angesehenen, einflussreichen und wohlhabenden Familie. Ihr Vater war Montanunternehmer, ihre Mutter stammte aus einer Chemnitzer Ratsherrenfamilie. Über ihre schulische Ausbildung ist nichts bekannt. Einer ihrer Brüder jedoch besuchte nachweislich die private Rechenschule des Adam Ries in Annaberg. So ist davon auszugehen, dass auch sie Lesen, Schreiben und Rechnen beherrschte.

 

Als 15-Jährige wurde sie 1529 mit Christoph Uthmann verheiratet, der zunächst einen Textilhandel führte. Das Paar hatte 15 Kinder, zwölf überlebten. Etwa 1530 begann Christoph Uthmann als Grubenleiter im Montanwesen und wurde schnell erfolgreicher Besitzer mehrerer Bergwerke, Hütten und eines Pochwerkes. Barbara Uthmann wirkte im Kramhandel ihres Mannes und war für die Organisation und Repräsentation des Hauses sowie Kindererziehung verantwortlich.

 

Mit dem Kauf der Saigerhütte Olbernhau-Grünthal 1550 verschaffte sich die Familie Uthmann vom sächsischen Landesherrn über Jahre das Kupfermonopol. Nach dem Tod ihres Ehemannes 1553 erbte Barbara Uthmann Häuser, Grundstücke, Erz- und Kupfergruben, Pochwerke, Erzwäschen, Schmelzhütten sowie das Monopol auf den Einkauf von Kupfer in umliegenden Gruben. Zusammen mit ihren Söhnen baute sie das Unternehmen aus und entwickelte bürgerschaftliches und soziales Engagement. Barbara Uthmann führte Vergünstigungen für die Arbeiter/innen ein, wie Zuteilungen für Stoff, Brot und Fleisch, Lohnfortzahlungen bei Krankheit, ärztliche Behandlungen sowie den Sonntag als freien Tag. 1567 wurde die Saigerhütte an den sächsischen Kurfürsten August verkauft. 

 

Barbara Uthmann konzentrierte ihre Erwerbsmöglichkeiten danach auf den Textilhandel. Sie verfügte über ausreichend Startkapital, kaufmännische Erfahrung, überregionale Handelsbeziehungen sowie unternehmerische Leidenschaft. Dass sie als erste Frau Klöppelspitze im „Verlagssystem“, also in Heimarbeit, herstellen ließ, lässt sich historisch nicht sicher belegen. Sicher aber ist ihre Tätigkeit als Zwischenhändlerin von Borten. So wurden gewirkte Besatzartikel wie Schnüre und Bänder bezeichnet.

Barbara Uthmann, Zeichnung von Emil Eugen Sachse

Original: Erzgebirgsmuseum Annaberg-Buchholz

Auch in dieser Form der Heimarbeit wurden den Arbeiterinnen von Zwischenhändler/innen Material und Muster für ihre Arbeit vorgegeben. Als Bortenhändlerin entlohnte Barbara Uthmann ihre zeitweilig 900 Bortenwirkerinnen und organisierte den Verkauf der Produkte bis ins sächsische Fürstenhaus. Damit schuf sie eine existenzsichernde Einkommensquelle für viele Familien in einer Zeit des Niedergangs des erzgebirgischen Bergbaus, der bald auch Männer nachgingen.

 

Barbara Uthmann entwickelte im nicht zunftmäßig organisierten Handel mit geklöppelten Borten ein florierendes Handelsgeschäft, das ihre Töchter nach ihrem Tod  am 14. Januar 1575 in Annaberg weiter führten. Über ein Jahrzehnt lang war sie die erste bedeutende Unternehmerin im Montanwesen. Sie bewies Familienzusammenhalt, bürgerschaftliche und soziale Verantwortung  sowie Unternehmergeist.



Einweihung am 19. Oktober 2017 in Annaberg-Buchholz


Siebte frauenorte-sachsen-Gedenktafeln in Annaberg-Buchholz eingeweiht

Am 19. Oktober 2017 wurde in Annaberg-Buchholz eine frauenorte-sachsen-Gedenktafel über Barbara Uthmann eingeweiht. Angebracht wurde die Tafel am Haus der Freien Presse in Annaberg-Buchholz, das 40 Jahre das Wohnhaus von Barbara Uthmann war. Ihre Würdigung erfährt Barbara Uthmann als bedeutendste Montanunternehmerin im Erzgebirge. Außerordentlich bekannt wurde sie ebenfalls als Bortenhändlerin. Sie lebte von 1514-1575.

Im Anschluss an die feierliche Einweihung fand am Abend im Haus des Erzhammers zu Ehren von Barbara Uthmann ein historisches Frauengespräch mit Fürstin Anna von Sachsen und Barbara Uthmann statt.

 


Die Tafel befindet sich am Haus der Freien Presse, Markt 8, in 09456 Annaberg-Buchholz.

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