MARTHA SCHRAG


1870-1958

Malerin und Grafikerin

Borna


Bild: Privatbesitz Ralf W. Müller
Bild: Privatbesitz Ralf W. Müller

 Als Tochter eines Juristen erblickte Martha Schrag am 29.08.1870 in Borna bei Leipzig das Licht der Welt. Die Familie lebte damals in der Grimmaer Straße 1. Über die Station Dresden, wohin der Vater 1876 versetzt wurde, gelangte die Familie 1883 nach Chemnitz. Für Martha Schrag war dieser Ortswechsel prägend.

 

Gegen Vorbehalte des Elternhauses konnte Martha Schrag ab 1898 endlich Mal- und Zeichenkurse in der privaten Damen-Malschule von Robert Sterl in Dresden belegen. Aufgrund besonderer Ernsthaftigkeit und außergewöhnlicher Begabung begleitete der bekannte Lehrer ihre Entwicklung weit über das Ende seiner 1904 aufgegebenen Malschule hinaus.

Durch das Angebot des Chemnitzer Arztes Dr. Adolf E. Thiele von 1905, Gießereiarbeiter bei ihrer schweren Arbeit zu studieren, fand Martha Schrag eines ihrer Hauptmotive. Mit großer künstlerischer Intensität durchdrang sie diese männlich dominierte Arbeitswelt, wovon vier großartige farbige Lithografien zeugen. Ein kurzer Studienaufenthalt 1908/09 in München brachte Martha Schrag neue Anregungen. Dort kam sie mit Arbeiten Vincent van Goghs und Käthe Kollwitz´ in Berührung. In den folgenden Jahren ging in Martha Schrags Bildsprache die Loslösung von impressionistischen Vorbildern einher mit der allmählichen Annäherung an expressionistische Form- und Farbgebung.

 

Gemeinsam mit der KÜNSTLERGRUPPE CHEMNITZ, deren Gründungsmitglied Martha Schrag 1907 gewesen ist, entwarf sie am Beginn des Ersten Weltkrieges Motive für die Chemnitzer Flugschrift „Bilder aus Deutschlands Sturmzeit“. Ihre humanistische Haltung manifestierte sich in einfühlsamen und dennoch kraftvollen Darstellungen von Frauen. In Bildern von Mutter-Kind-Beziehungen behandelte Martha Schrag nach dem Ersten Weltkrieg existenzielle Nöte menschlichen Daseins. Häufig reflektierte die Künstlerin in melancholisch gestimmten Arbeiten jetzt all die Widersprüchlichkeit der 1920er Jahre und warf damit gesellschaftliche Fragen auf, die sie selbst nicht zu beantworten vermochte.

 

Eröffneten sich der Künstlerin bis Anfang der 1930er Jahre vielfältige Publikations- und überregionale Ausstellungsmöglichkeiten, die sie weit über Sachsen hinaus bekannt machten, so endeten diese nach dem Machtantritt der

Nationalsozialisten. Bereits ab 1935 wurden ihre Bilder aus Ausstellungen entfernt. 1937 fielen mehr als 20 Arbeiten Martha Schrags der Aktion „Entartete Kunst“ zum Opfer, so z. B. in Museen in Chemnitz, Dresden und Erfurt.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges ausgebombt und all ihrer materiellen Güter beraubt, resignierte Martha Schrag trotz existenzieller Not nicht. Mit 75 Jahren schöpfte sie neuen Mut, obgleich ihr Augenlicht merklich nachließ. Sie fand zu ihrer spätexpressionistisch-kräftigen Farbpalette zurück und nahm mit zeitgemäßen Bildfindungen aktiv am kulturellen Neubeginn teil.

Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Chemnitz anlässlich ihres 80. Geburtstages nahm sie 1950 mit Freude entgegen. Eine mit der Auszeichnung verbundene Ehrenpension nutzte sie zur Unterstützung junger Künstler und in Dankbarkeit gegenüber alten Weggefährtinnen wie z. B. Sella Hasse in Berlin und Käthe Kuntze in Radebeul.

 

Autor: Ralf W. Müller


Wir berichten von der Frauenorte-Tafeleinweihung zu Ehren Martha Schrags in Borna. Anlässlich ihres 152. Geburtstages wurde am 29. August 2022 die 27. Frauenorte-Tafel in Sachsen, und gleichzeitig die erste Tafel im Landkreis Leipzig, feierlich enthüllt.

 

Wir bedanken uns für die Beiträge von Ralf W. Müller (Autor des Tafeltextes), Konstanze Morgenroth (Gleichstellungsbeauftragte Landkreis Leipzig), Oliver Urban (Oberbürgermeister der Stadt Borna) sowie von Dr. Jessica Bock (stellv. Vorsitzende beim LFR Sachsen). (erstes Bild von l. nach r.)

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