GERTRUD KLARA ROSALIE SCHUBART-FIKENTSCHER

Prof. Dr. jur. habil. | 1896–1985

Juristin & Rechtshistorikerin | Zwickau


Prof. Dr. jur. habil. Gertrud Klara Rosalie Schubart-Fikentscher

(Quelle: Dr. Rüdiger Fikentscher)


Gertrud Schubart-Fikentscher wurde am 23. Dezember 1896 in Zwickau als Tochter einer angesehenen Fabrikantenfamilie geboren. Von 1903 bis 1913 besuchte sie die Höhere Bürgerschule. Das Erlernen eines Berufes war für Mädchen aus wohlhabenden bürgerlichen Familien nicht vorgesehen. Doch 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, verließ sie die Geborgenheit der Familie und zog zu Verwandten nach Berlin. Dort arbeitete sie zunächst als Schulpflegerin, später in der Kinder- und Jugendfürsorge.

Von 1919 bis 1921 besuchte sie die Soziale Frauenschule von Alice Salomon und hielt auch mit anderen bedeutenden Frauenrechtlerinnen freundschaftliche Verbindung. 1921 bestand sie die Staatliche Prüfung für Wohlfahrtspflegerinnen mit der Note sehr gut, leitete die Jugendgerichtshilfe in Berlin-Mitte und erhielt 1922 die Staatliche Anerkennung als Fürsorgerin. In dieser Zeit wuchs ihr Interesse an den Rechtswissenschaften, weshalb sie vor dem Preußischen Kulturministerium das Kulturexamen ablegte und von 1924 bis 1928 Jura studierte. Ende 1928 heiratete sie ihren verwitweten Onkel Wilhelm Schubart (1873-1960), einen international anerkannten Altertumswissenschaftler, der in vielen Fragen ihres Lebens- und Bildungsweges von erheblicher Bedeutung war.

 

Im Jahr 1933 promovierte Gertrud Schubart-Fikentscher zum Dr. jur. mit dem Thema „Das Eherecht im Brünner Schöffenbuch“. Die Habilitation wurde ihr auf Grund ihrer politischen Überzeugung in der Zeit des Nationalsozialismus verwehrt. Sie blieb dennoch wissenschaftlich tätig und erhielt 1942 für ihre Arbeit „Die Verbreitung der deutschen Stadtrechte in Osteuropa“ den Preis der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Das Buch wurde zu einem Standardwerk der Stadtrechtsforschung, das allerdings in der Deutschen Demokratischen Republik gesperrt blieb.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzte Gertrud Schubart-Fikentscher von Zwickau aus ihre akademische Laufbahn fort. Nachdem ihr 1946 die Habilitation zuerkannt wurde, boten ihr die Universitäten Heidelberg, Halle und Leipzig Professuren an. Sie entschied sich für Halle und wurde zum 1. September 1948 als erste Frau im deutschsprachigen Raum an einen Lehrstuhl einer Juristischen Fakultät berufen. Damit war sie an der Universität Halle-Wittenberg Professorin für bürgerliches Recht und deutsche Rechtsgeschichte.

 

Nach ihrer Pensionierung 1956 verfolgte Gertrud Schubart-Fikentscher ihre rechtshistorischen Forschungen, unter anderem zur rechtlichen Stellung von Komödianten und Unehelichen sowie zu Leben und Werk des Frühaufklärers Christian Thomasius, bis ins hohe Alter. 1959 wurde sie Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften (SAW) zu Leipzig und war dort die erste Frau in Deutschland, die das Amt „stellvertretender Sekretar der philologisch-historischen Klasse der SAW“ innehatte. Sie starb im März 1985 in Halle (Saale).



Einweihung in Zwickau am 13. Dezember 2016

"frauenorte sachsen" - zweite Gedenktafel steht jetzt in Zwickau

Der Landesfrauenrat Sachsen e.V. hat am 13. Dezember 2016 im Rahmen seines Projektes "frauenorte sachsen" in Zwickau eine Gedenktafel zur Rechtshistorikerin Prof. Dr. Gertrud Schubart-Fikentscher eingeweiht. Sie steht im Schwanenteichpark zwischen Reichenbacher und Humboldtstraße. Prof. Dr. Gertrud Schubart-Fikentscher wurde 1948 als erste Frau im deutschsprachigen Raum an einen Lehrstuhl einer juristischen Fakultät berufen. Die Zwickauerin lebte von 1896 bis 1985.

Die Tafel befindet sich in Zwickau im Schwanenteichpark an der Ecke Humboldtstraße und Reichenbacher Straße.


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