GERTRUDE SELTMANN-MEENTZEN und charlotte meentzen

1901-1985 und 1904-1940

Kosmetikerinnen und Unternehmerinnen

Dresden


Fotos: Charlotte Meentzen Kräutervital Kosmetik GmbH
Fotos: Charlotte Meentzen Kräutervital Kosmetik GmbH

Der Weg zur Natur – unter diesem Leitgedanken gründete die Kosmetikerin Charlotte Meentzen (12.06.1904 - 26.02.1940) 1930 ein „Institut für natürliche Kosmetik‟ in Dresden und rief im gleichen Jahr gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrude Seltmann-Meentzen (14.06.1901 - 14.01.1985) die Produktionsfirma „Charlotte Meentzen Heilkräuter-Kosmetik“ ins Leben. Kurz darauf wurde zudem die „Schule für natürliche Kosmetik“ von den Meentzen-Schwestern eröffnet, in der künftig Generationen von Kosmetikerinnen ausgebildet wurden. Ein von Frauen gegründetes Unternehmen auf drei Säulen, noch dazu in einer eher umstrittenen Branche - das war zu dieser Zeit wohl einzigartig. Seit ihrer Kindheit waren die Meentzen-Schwestern durch Mutter und Großmutter mit der Kraft natürlicher Wirkstoffe vertraut gemacht worden. Von diesen Kenntnissen und Erfahrungen geprägt, gehörten sie zu den ersten deutschen Kosmetikerinnen, welche die Bedeutung pflanzlicher Wirkstoffe für die kosmetische Praxis erkannten und anwandten. Charlotte Meentzen verdeutlichte in ihrem 1941 erschienenen Ratgeber „Heilkräuter im Dienste der Schönheit“ ihr Konzept für eine natürliche Schönheitspflege. Demzufolge ging ein auf die individuelle Hautpflege abgestimmtes Programm gleichzeitig mit gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und einem ausgewogenen Verhältnis von Ruhe und Aktivität einher. Dieses Gesamtkonzept kam im Zeitalter der maschinellen Massenproduktion und industriellen Fertigungstechnik einer Revolutionierung der gesamten Schönheitspflege gleich. Es knüpfte aber auch an die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert in Dresden bestehende Hochburg der Naturheilbewegung an und findet bis auf den heutigen Tag große fachliche Anerkennung.

 

Bis 1945 waren Institut, Firma und Schule auf der Prager Straße in Dresden angesiedelt. Das Grundstück Wiener Straße 36 mit seiner Villa wurde 1941 von der Familie Meentzen erworben, allerdings noch nicht für das Unternehmen genutzt. In den Bombennächten des 13. und 14. Februars 1945 wurde nicht nur Meentzens Unternehmen auf der Prager Straße zerstört, auch die Villa auf der Wiener Straße war nahezu komplett vernichtet worden. Nach dem frühen Tod von Charlotte Meentzen 1940 führte die 1945 verwitwete Gertrude Seltmann-Meentzen das Unternehmen weiter. Der Wiederaufbau des Gebäudes Wiener Straße 36 erfolgte 1946 durch gemeinsame Anstrengungen von Familienmitgliedern. Zunächst wurde im Keller die Produktion und Lagerung der Schönheitspflegemittel wieder aufgenommen, bevor sich nach und nach auch die anderen Etagen mit verschiedenen Funktionsräumen füllten. Die Firma Meentzen blühte seit den 1950er-Jahren wieder auf, ihre Produkte waren bei dem weiblichen Teil der Bevölkerung sehr beliebt und die Kosmetikschule verzeichnete regen Zuwachs. Gleichzeitig stellte die sozialistische Planwirtschaft keine leichte Zeit für ein Privatunternehmen dar. Schule und Behandlungsinstitute mussten auf staatlichen Druck hin nach und nach aufgegeben, der Schwerpunkt auf die Produktion verlagert werden. Die Villa Wiener Straße 36 wurde im Rahmen der staatlichen Beteiligung am Unternehmen im Jahr 1966 sowie bei dessen vollständiger Verstaatlichung 1972 jedoch nicht erfasst und verblieb so im Eigentum der Familie. Dies war für die Reprivatisierung im Jahr 1990 ein glücklicher Umstand, da die neu gegründete Charlotte Meentzen GmbH Zugriff auf das Betriebsgebäude und den darin enthaltenen Maschinenpark erhielt. Bis zum Umzug des Unternehmens aus Kapazitätsgründen nach Radeberg im Jahr 2002 verblieb die Firma Charlotte Meentzen GmbH in diesem Gebäude.

 

Autorin: Dr. Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah

 

Kontakt

Landesfrauenrat Sachsen e. V.
Strehlener Straße 12–14
01069 Dresden

 

Telefon: 0351 / 472 10 62

Fax: 0351 / 472 10 61


E-Mail: kontakt@landesfrauenrat-sachsen.de


Internet: www.landesfrauenrat-sachsen.de

 

Gefördert durch: