Angelika hartmann

1829-1917

Fröbel-Pädagogin und Begründerin des Leipziger Fröbel-Vereins

Leipzig

 


Foto: Köthen Kultur und Marketing GmbH, Historisches Museum und Bach-Gedenkstätte
Foto: Köthen Kultur und Marketing GmbH, Historisches Museum und Bach-Gedenkstätte

Angelika Hartmann wurde am 12. Juli 1829 als zweites Kind von Carl Eduard Hartmann und Ehefrau Henriette Wilhelmine, geb. Gärtner in Köthen/Anhalt geboren. 1835 bis 1842 besuchte sie die Töchterschule, deren Inspektor ihr Vater war. Nach dem Tod der Eltern finanzierte sie mit Privatstunden ihren Lebensunterhalt. Unterstützung fand sie bei Gymnasialprofessor Karl Schmidt. Er gab ihr Privatunterricht und führte sie trotz des damaligen preußischen Kindergarten-Verbots in Friedrich Fröbels Pädagogik der frühen Kindheit ein, die zu ihrem Lebensinhalt wurde.

 

Nach der Ausbildung zur Kindergärtnerin beim Fröbel-Pädagogen Bruno Marquart in Dresden eröffnete Angelika Hartmann 1864 den ersten konfessionsfreien Kindergarten in Köthen als Alternative zur dortigen „Kinder-Bewahranstalt“. Ziel war die Förderung der Kinder von der Körperpflege und -bildung bis zur Bildung des Charakters. Mit ihrem Dr.-Karl-Schmidt-Institut als „Versuchs- und Musteranstalt“ ganzheitlicher Menschenbildung verwirklichte sie 1867 die institutionelle Verbindung von Kindergarten und Schule nach Fröbel-Prinzip: Es umfasste Kindergarten, Elementarklassen, höhere Töchterschule sowie Kindergärtnerinnen- und Lehrerinnenseminar.

 

1875 wurde Leipzig für mehr als vier Jahrzehnte zu ihrem Hauptwirkungsort. In der Thalstraße 29 wollte sie ihr Gesamtkonzept fortsetzen; die Angliederung von Schulklassen an Kindergarten und Lehrerinnenseminar wurde aber aufgrund ihrer fehlenden Lehramtsprüfung verweigert. Unbeirrt initiierte sie 1877 die Gründung des Leipziger Fröbel-Vereins, der 1879 dem Deutschen-Fröbelverein beitrat und ihr umfassendes Arbeiten ermöglichte. Ein Satzungsziel war die allseitige Ausbildung junger Mädchen jedes sozialen Standes. So betrieb der Verein ab 1902 auch eine „Anstalt zur Ausbildung weiblicher Dienstboten“.

 

1904 wurde das Angelika-Hartmann-Haus (Marienstraße 13, heute Chopinstraße) durch Ankauf zum Zentrum der Vereinsarbeit: Das von Hartmann geleitete Seminar war Ausbildungsstätte für Lehrerinnen an Kindergärtnerinnen-Seminaren, Erzieherinnen für Familien, Leiterinnen öffentlicher Kindergärten, Horte und Jugendheime u. a., bot staatlich beglaubigte Abschlüsse sowie den Fröbelvereinskindergarten als praktische Übungsstätte und hatte auch ausländische Schülerinnen. Bis 1911 wurden an ihren in Leipzig gegründeten Einrichtungen rund 5.000 Frauen zu Kindergärtnerinnen ausgebildet. Qualifizierte Berufstätigkeit mit eigenem Einkommen war für Angelika Hartmann ein wichtiger Beitrag zur Lösung der Frauenfrage.

 

In Artikeln, Schriften und dem Hauptwerk „Fröbels Erziehungsmittel nach der Konzentrationsidee bearbeitet für Kindergarten und Familie“ (1904) gab Angelika Hartmann ihre Erkenntnisse weiter. Ihr Wirken fand auch international Anerkennung. Bis zu ihrem Tod am 22. März 1917 blieb sie geistiger Mittelpunkt des Leipziger Fröbel-Vereins. Ihre Urne wurde im Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

 

Das Angelika-Hartmann-Haus wurde nach finanziell bedingter Auflösung des Leipziger Fröbel-Vereins 1922 unter die Leitung des Sozialpädagogischen Frauenseminars gestellt und in die Henri-Hinrichsen-Stiftung (ehemals Stiftung Hochschule für Frauen) integriert.

 

Autorin: Gerlinde Kämmerer

 


Einweihung am 15. November 2019 in Leipzig

 

Sechzehnte "frauenorte sachsen" Gedenktafel hängt jetzt am ehemaligen Angelika-Hartmann Haus auf der Chopinstraße in Leipzig

 

Der Landesfrauenrat Sachsen e.V. hat am 15. November 2019 im Rahmen des Projektes „frauenorte sachsen“ eine Gedenktafel zu Ehren von Angelika Hartmann in Leipzig eingeweiht.

 

Zur Einweihung auf der Chopinstraße 13 in Leipzig sind viele Interessierte erschienen. Prof. Dr. Thomas Fabian, Bürgermeister und Beigeordneter für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule in Leipzig, begrüßte die Gäste mit einem Grußwort. Auch Genka Lapön, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig, hat in einer kleinen Rede die Bedeutung Angelika Hartmanns für die Stadt Leipzig hervorgehoben. Unsere Vorsitzende Susanne Köhler begrüßte die Gäste im Namen des Landesfrauenrat Sachsen e.V. und sprach einige Worte zum Projekt „frauenorte sachsen“. Umrahmt wurde die Veranstaltung von einem musikalischen Beitrag Ingeborg Freytags.

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