dr. maria Grollmuß

1896-1944 |

Politische, frauenbewegte Journalistin, Widerstandskämpferin |

Radibor


Foto: Melanie Mijan
Foto: Melanie Mijan

Maria Grollmuß wurde am 24.4.1896 in Leipzig geboren, wo der aus dem sorbischen Radibor gebürtige Vater Johannes Grollmuß die Katholische Bürgerschule leitete. Die Mutter Carolina, geb. Koelitz, entstammte einer Fabrikantenfamilie.

 

Maria wuchs mit der innig geliebten Schwester Cäcilie behütet auf, besuchte ab 1902 die väterliche Schule und 1911 das Mädchenpensionat im belgischen Lüttich. Nach der Firmung, sie wählte als Namenspatronin Jeanne dʼArc, absolvierte sie von 1912-1917 das Leipziger Lehrerinnenseminar und erwarb das Abitur. Vom Bewusstsein ihrer sorbischen Wurzeln zeugen ihre Mitgliedschaften in der wissenschaftlichen Vereinigung „Maćica Serbska“ (1918) und der Vereinigung sorbischer Studentinnen „Wita“ (1919). Von 1920 bis 1925 studierte sie Geisteswissenschaften an der Universität Leipzig und schloss mit dem Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. Aus ihrem Glauben die ethische Verpflichtung zum politisch-sozialen Handeln ableitend, engagierte sie sich als Studentin sowohl in katholischen als auch sozialistischen Studentengruppen für einen christlich fundierten, völkerverbindenden Sozialismus.

 

Nach kurzer Anstellung im Lehrerinnenseminar der Offenburger Augustiner Chorfrauen 1925/26 wechselte sie ins publizistische Metier und arbeitete in Frankfurt am Main für linkskatholische und sozialistische Blätter als politische Journalistin.

 

Bereits 1925 veröffentlichte sie ihre Schrift „Die Frau und die junge Demokratie“. Sie betonte die besondere Eignung der Frauen für Politik, sich gleichermaßen auf die große Mystikerin Katharina von Siena wie auf die Sozialistin Rosa Luxemburg berufend. Spezifisch weibliche Tätigkeitsbereiche lehnte sie ab. Ihr Entwurf einer gemeinschaftsorientierten, toleranten und demokratischen Gesellschaft  bedurfte der gleichberechtigten Mitwirkung von Frauen, Arbeiterschaft und Jugend.

 

Vermutlich 1927 trat sie der SPD bei, wechselte 1929 zur KPD, dann zur KPO und schließlich zur SAP, für die sie 1932 als Reichstagskandidatin im Wahlkreis Dresden-Bautzen antrat. 1933 war sie wieder SPD-Mitglied. Ihr Bemühen um Integration verschiedener linken linker Kräfte wurde mehrfach mit Parteiausschlüssen quittiert.

 

Nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 zog Maria, zuletzt in Berlin lebend, nach Radibor, wo sie mit Cäcilie den Sommersitz der Familie bewirtschaftete. Hinter dem scheinbaren Rückzug ins Idyll verbarg sich lebensgefährliche illegale Arbeit. So übernahm sie Kurierdienste zu Emigranten der Zentrumsführung und der SPD-Exilorganisation in Prag, unterstützte notleidende Familien von Regimegegnern und leistete Fluchthilfe.

 

Eine Denunziation führte am 7.11.1934 zur Verhaftung. Am 23.11.1935 wurde Maria vom Volksgerichtshof  wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu sechs Jahren Zuchthaus (Waldheim) und  Ehrverlust verurteilt. Die Tore zur Freiheit öffneten sich nie wieder. Im Januar 1941 wurde die „Politische Nr. 5346“ in das KZ Ravensbrück überführt, wo sie am 6.8.1944 starb.

 

Zeitzeuginnen erinnerten das ungewöhnliche Charisma, welches Maria Grollmuß selbst inmitten des Grauens eigen war. „Ich habe in meinem Glauben treu zu meiner Sache gestanden“ lautete ihr eigenes Fazit, berührend dokumentiert in ihren „Briefen nach Radibor “.

 

Autorin: Kerstin Kollecker, Januar 2021

 


Am 23. April 2021 fand die feierliche Einweihung der Gedenkstele zu Ehren von Dr. Maria Grollmuß an der Schule in Radibor statt.
Im Jahr ihres 125. Geburtstages haben wir nun im Rahmen des Projektes „frauenorte sachsen“ ihr Engagement erneut ins Gedächtnis gerufen. Es ist die 24. Gedenktafel in Sachsen im Rahmen des Projektes „frauenorte sachsen“.
Es war ein umfassendes Programm. Neben der Bürgermeisterin Frau Hänisch, sprachen unter anderem auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreis Bautzen, Ina Körner, sowie Dana Dubil vom DGB Ostsachsen. Musikalische Begleitung erhielten wir durch zwei Schüler der Grundschule Dr. Maria Grollmuß in Radibor.
Wir bedanken uns bei Allen, die diese Gedenkstele mit uns gemeinsam eingeweiht haben und in der Planung mitgewirkt haben.

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