Marie Luise Pleiẞner

1891-1983 | Frauenrechtlerin, Friedensaktivistin & Lehrerin |Chemnitz


Quelle: Stadtarchiv Chemnitz
Quelle: Stadtarchiv Chemnitz

Marie Luise Pleißner wurde am 17. Mai 1891 in Chemnitz in ein liberales Elternhaus

hineingeboren. Nach dem Besuch von Volks- und höherer Mädchenschule trat sie in

die beruflichen Fußstapfen ihrer Eltern und wurde Lehrerin. Sie unterrichtete ab 1912 Deutsch, Religion und später auch Turnen. Während des Ersten Weltkrieges setzte sie sich im Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein für den Abbau von Bildungsungleichheiten zwischen Jungen und Mädchen und für den Zugang von Mädchen zu einer akademischen Ausbildung ein. Der Erlass von 1908, welcher die politische Sonderstellung von Frauen aufhob, eröffnete Marie Luise Pleißner die Möglichkeit, sich in politischen Parteien und Verbänden einzubringen. So betätigte sie sich im Vorstand des Chemnitzer Lehrervereins und gründete überdies in Chemnitz einen Ortsverein des Deutschen Staatsbürgerinnenverbandes, vormals Allgemeiner Deutscher Frauenverein. Außerdem engagierte sie sich in der Ortsgruppe des Weltfriedensbundes für Mütter und Erzieherinnen und in Organisationen der „Nie wieder Krieg“-Bewegung. Sie wurde Mitglied in der Deutschen Demokratischen Partei und kandidierte bei den Reichstagswahlen 1933.

 

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten folgten wegen ihrer antifaschistischen Äußerungen Verhöre in Schule und Stadtbehörde. 1934 wurde Marie Luise Pleißner als „politisch nicht tragbar“ mit 43 Jahren in den Ruhestand versetzt. Trotz Verlust des Berufs, des Verbots der Partei und der Frauen- und Friedensorganisationen, denen sie angehörte, engagierte sie sich weiter gesellschaftlich. Sie gab jüdischen Kindern und deren Eltern privat Sprachunterricht, um sie bei ihrer Emigration zu unterstützen. Mehrfach reiste sie nach London und erwirkte in der dortigen jüdischen Gemeinde Unterstützung bei der Aufnahme ausgereister Jüdinnen und Juden. Mindestens einer Frau und mehreren Kindern konnte sie so die Ausreise aus Deutschland ermöglichen.

1939 wurde Marie Luise Pleißner von einer Sekretärin, der sie Nachhilfe gegeben hatte, wegen einer kriegskritischen Äußerung denunziert und von der Gestapo verhaftet. Nach Aufenthalt in verschiedenen Gefängnissen wurde sie ohne Gerichtsurteil im Frauen-KZ Ravensbrück inhaftiert und musste dort unter verschärften Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Neun Monate später kam sie frei, wurde allerdings weiterhin von der Gestapo überwacht.

 

Nach Kriegsende holte Marie Luise Pleißner ihr Abitur nach und arbeitete wieder als Lehrerin sowie als Dozentin bei der Ausbildung von Neulehrer/innen. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern einer Vorläuferpartei der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands, für die sie in den Sächsischen Landtag gewählt wurde. Marie Luise Pleißner setzte ihr frauen- und friedenspolitisches Engagement fort: Sie war Mitbegründerin des Demokratischen Frauenbund Deutschlands, setzte sich gegen den 1978 als Pflichtfach eingeführten Wehrkundeunterricht an Schulen ein und hielt zahlreiche Vorträge vor Friedensgesellschaften im Ausland. Kurz vor ihrem 90. Geburtstag wurde sie in der DDR mit der Auszeichnung „Stern der Völkerfreundschaft“ geehrt. Außerdem ist der Park, in dem sich diese Tafel befindet, nach Marie Luise Pleißner benannt.

Kontakt

Landesfrauenrat Sachsen e. V.
Strehlener Straße 12–14
01069 Dresden

 

Telefon: 0351 / 472 10 62

Fax: 0351 / 472 10 61


E-Mail: kontakt@landesfrauenrat-sachsen.de


Internet: www.landesfrauenrat-sachsen.de

 

Gefördert durch: